Simon Grohe: „Wir machen Popmusik, sind aber zu 100% Hip Hop sozialisiert.“ [Interview]

Simon Grohe - Pressebild 1

Frisch und erholt bin ich gestern wieder aus dem Urlaub zurück gekommen. Nach der kurzen Blog-Pause geht es direkt wieder mit einem Interview weiter. Dieses Mal habe ich mich mit dem Musiker Simon Grohe unterhalten, der mit Leib und Seele Musik macht und sich das zu jeder Zeit widerspiegelt. Nehmt euch die Zeit und lernt einen wirklich spannenden Menschen kennen. Ich habe dem Interview auch Videos beigefügt, so dass ihr euch direkt ein ganzheitliches Bild machen könnt.

Hallo Simon. Danke, dass du dir die Zeit genommen hast mir einige Fragen zu beantworten. Da dich sicher nicht alle Leser kennen, stell dich doch bitte kurz vor. 

Hallo ich danke dir für dein Interesse! Ich bin Simon Grohé, Rapper und Sänger. Ich schreibe Songs auf deutsch und produziere und performe sie mit meiner Band den Soulions. Wir machen Popmusik, sind aber zu 100% Hip Hop sozialisiert.

In deiner Biographie steht, dass deine Musik eine Mischung aus Hip Hop, Reggae, Soul & Popmusik ist. Welcher Musikrichtung stehst du am Nächsten wenn man das sagen kann?

Wie ich schon angedeutet habe ist das eindeutig Hip Hop. Das ist die Musik mit der ich groß geworden bin. Der erste Song den ich jemals geschrieben habe war ein Rapsong. Obwohl wir viele Genres mischen und unser Sound wirklich bunt ist, ist Hip Hop auch unsere Basis, auf der wir uns Band intern am besten verständigen können.

Wann hattest du die ersten Berührungen mit Rap bzw. Hip Hop? War das eher deutscher oder internationaler Hip Hop?

Mein erster Kontakt zu Hip Hop kam durch meinen Cousin, gegen Mitte/Ende der Neunziger. Er hat mir mein erstes Hip Hop Album geschenkt: „Murder was the Case“, ein Soundtrack zu nem Kurzfilm von Dre und Snoop. Über meinen Bro BIG LIP habe ich dann auch angefangen zu rappen. Aber da ging es immer schon um Deutschrap, wir hatten nie große Ambitionen auf englisch zu rappen. Über die Zeit hat sich dann halt einiges entwickelt, ich habe schon immer gerne Reggae gehört. Wir haben zB auch viel Saian Supa Crew aus Paris gehört, und Fugees und so Geschichten und ich habe immer gefeiert wie abwechslungsreich und unvorhersehbar die Sachen waren.

Saian hatten auf einem Splash mal ihre Platten im Flugzeug vercheckt und haben ne komplette Stunde Freestyleshow inklusive unglaubicher Beatboxsession abgeliefert. Wahnsinn! Ich mochte es dass deren Songs immer unterscheidliche Vibes transportieren konnten. Das fand ich extrem inspirierend. Gegen 2004 habe ich dann mit meinem Bro die Tour von Flowin Immo et les Freaques, als Assi für deren Engineer Dj Chestnut, der jetzt auch mein Produzent ist, begleitet. Da bin ich dann total auf dem Livesound kleben geblieben. Die hatten ne nice Besetzung. Ein echtes Rhodes auf der Bühne, Bass, Drums, Gitarre, Backingvocals – Bumm. Und die konnten alles spielen. Hip Hop, Roots, Soulmusik.. Ganz egal, alles klang Fett. Das war für mich der Beweis, ich brauch ne Band.

Simon Grohe und Soulions - Credit Siegfried Probst

Credit – Siegfried Probst

Jetzt gibt es nicht sonderlich viele deutsche Reggae Artists. Da haben wir Gentleman und natürlich auch Ronny Trettmann. Siehst du diese Verbindung zu diesen Künstlern auch oder wäre dir es lieber das typische Schubladending zu vermeiden?

Natürlich feier ich Gentleman und ich feier auch Ronny und viele andere Artists aus dem Genre. Aber wie du schon richtg vermutest mag ich natürlich keine Schublade. Ich finde zum Beispiel auch nicht das Ronny Trettmann „nur“ ein Reggaeartist ist. Er ist ein hammer Texter und Sänger und hat ein hammer kreatives Umfeld. Hör dir die neue Scheibe an, du wirst nicht sagen können das ist Reggae. Mir geht es da ähnlich. Wenn du dir aber auch die Releases der letzten Zeit anschaust wirst du feststellen das diese Genrefusionen nichts neues mehr sind. Wir sind einfach ne neue Generation, wir machen frischen Sound, wir erzählen unsere Geschichten und transportieren unsere Vibes eben auf eine andere Art und Weise. Wem bringt es da schon was, Artists kategorisieren zu wollen. Es ist eben einfach gute, authentische, freshe Musik.

Durch die Vermischung unterschiedlicher Genres wird auch das Publikum bunter auf den Konzerten. So kommt es zumindest mir vor. Da steht der Student neben dem 15 jährigen Schüler und beide feiern Haftbefehl. Dasselbe bei einem Cro, der von kleinen Mädels gefeiert wird aber auch von einem Hip Hop Fan der ersten Stunde. Welche Art von Publikum besucht deine Konzerte?

Verstehe was du meinst und stimme dem zu. Bei mir ist es so: Ich erzähle Geschichten, vermittle Stimmung und Vibes. Ich denke das ist es was den Leuten an meiner Musik gefällt. Jeder Mensch hat seine Geschichte, durch meine persönlichen Songs kann ich es schaffen viele verschiedene Lebenssituationen und Erfahrungen gleichzeitig wiederzuspiegeln. Jemand der total entspannt ist und sich richtig gut fühlt kann von meiner Musik genau so angesprochen sein, wie jemand der grade irgend einen Struggle durchlebt. Ich lasse Platz in meinen Songs, Platz für die Gedanken meiner Zuhörer. Leute die darauf Bock haben schauen sich auch meine Konzerte an.

Deine Rot-EP ist seit dem 30.03.2012 draußen und wurde ausschließlich analog produziert mit einer eigenen Band. Das klingt nach sehr viel Liebe zu Detail. Was erwartet uns auf der Rot EP?

Die Ep klingt einfach nach mir und meiner Band. Ich erzähle dir Geschichten und verpacke sie in fetten, warmen Analogsound vom Band. Na klar sind wir Detailverliebt. Ich finde aber du hörst da klare Unterschiede. Natürlich kann ich auch hingehen, mir ’nen alten Drumloop nehmen, paar Instrumente aus der Dose dazu, Voicen und fertig. Aber Wenn du dir Zeit lässt für deine Produktion und zusammen mit Menschen arbeitest, die ihre Ideen einbringen, dann wird das Ergebnis um so runder und feiner. Die Ep gilt auch als Teaser fürs Album das dieses Jahr raus kommt. Sie vermittelt also einen ersten Eindruck von den Songs die noch erscheinen werden.

Ein richtiges Album ist bereits in der Mache. Was kannst du uns schon darüber erzählen?

Die Platte ist schon komplett fertig und gemastert. Wir arbeiten gerade noch an ein Paar Hintergrundmoves um die Aufmerksamkeit zu erzeugen, die die Platte auch verdient hat. Ich will mir damit auch Zeit lassen, es bringt nichts dein Album so hals über Kopf rauszuballern um dann festzustellen dass ein bisschen mehr Vorarbeit und ein bisschen mehr Geduld dich um einiges weiter gebracht hätten. Ich will meine jetzigen Zuhörer nicht unnötig warten lassen, aber ich will ja noch viel, viel mehr erreichen. Und dafür muss man eben Ideen entwickeln und Pläne schmieden.

Ich bin extrem stolz auf die Platte. Wir haben jetzt ungefähr 1 Jahr daran gearbeitet und können es kaum noch erwarten die Songs endlich zu releasen und dann endlich die Tour dazu zu spielen. Über die Songs an sich möchte noch nicht all zu viel verraten. Es wird im Vorfeld aber auch noch ein Paar schöne Überraschungen geben, die die Wartezeit verkürzen sollen.

Du sprichst davon noch sehr sehr viel erreichen zu wollen. Ist es dein Ziel irgendwann davon leben zu können?

Ich lebe bereits davon. Willst du wissen ob ich Geld damit verdienen will? Natürlich! Jeder muss sehen wie er seinen Shit bewältigt und seine Rechnungen decken kann. Wenn es allerdings darum geht zu sagen entweder oder – also entweder ich verdiene Kohle mit Musik, oder ich höre dann auf – bin ich mittlerweile zu der Erkenntnis gekommen, dass ich, egal was passiert, nie wieder aufhören werde Musik zu machen.

Trittst du auch live mit deiner Band auf und wenn ja wo kann man sich darüber informieren?

Live habe ich verschiedene Pakete. Ich spiele mit den Soulions, als komplette Bandbesetzung. Aber auch Akustiksets, alleine oder mit reduzierter Besetzung und ab und zu auch mit Dj auf Partys, als Soundshowcase. Infos dazu gibt es immer auf simongrohe.de oder auf Facebook unter facebook.com/simongrohee.

Vielen Dank für deine Zeit und weiterhin viel Erfolg auf deinem Weg.

 Ich danke Dir und alles Beste auch für dich!

1 Kommentar Schreibe einen Kommentar

  1. „Jetzt gibt es nicht sonderlich viele deutsche Reggae Artists. Da haben wir Gentleman und natürlich auch Ronny Trettmann.“ Starke Ansage 😉 Da haben wir Slonesta, Nosliw, Rojah Phad Full, Ganjaman, Uwe Banton, Mono & Nikitaman, Don Bonn, Uwe Kaa, Sebastian Sturm, Jahcoustix, …

Schreib einen Kommentar