Rooq: „Blogs werden immer wichtiger für die Musikszene“ [Interview]

rooq

Die Blogparty-Kollegen von Playmuzikk.de und JD’s Rap Blog haben ein ausführliches Interview mit dem Produzenten Rooq geführt. Es geht u.a. um die Akzeptanz von Produzenten, neue Projekte und dem Internet als Marketinginstrument. Ein sehr ehrliches und ausführliches Interview, das man sich unbedingt zu Gemüte führen sollte.

Hallo Rooq. Danke dass du dir Zeit für dieses Interview genommen hast.

Ich danke euch.

Es ist schon seit einiger Zeit bekannt dass du das Produzentenalbum „Assazeen Digital“ veröffentlichen wirst. Was kann man über das Album schon sagen? Wer ist dabei, wann wird es erscheinen und wie wird es veröffentlicht?

Man kann auf jeden Fall schonmal sagen das die Art der Präsentation des Albums etwas ganz neues wird. Wir versuchen ein wenig die Tatsache zu umgehen das Produzentenalben damit zu kämpfen haben das man oftmals nicht alle Fans unter einen Hut bringen kann, egal wie gut das Album tatsächlich ist. Jemand der Selfmade Records Fan ist wird sich das Album nicht holen nur weil da ein Track mit Kollegah und Favorite drauf ist. Da das Albumformat leider wirklich dabei ist auszusterben werden wir wahrscheinlich so verfahren das wir anstatt einem Album 15 Singles releasen. Damit versuchen wir gleichzeitig den Wert des einzelnen Tracks wieder aufzuwerten. Es wird zu jedem Track Artwork sowie Acapella und Instrumental Versionen geben. Neu ist außerdem noch das man bei dem Kauf der Tracks nicht auf ein Paypal Konto oder eine Kreditkarte angewiesen ist sondern lediglich ein Handy braucht. Nummer eingeben, Code zugeschickt bekommen, Code eingeben, Track auf den eigenen Rechner runterladen, fertig.
Musikalisch fühl ich mich aufgrund dieser etwas anderen Präsentation äußerst frei. Ich mach das was mir Spaß macht ohne darauf achten zu müssen einem roten Faden zu folgen.

Erscheinen wird das ganze, wenn die beteiligten Akteure sich nicht noch mehr Zeit lassen, ab dem 2. Quartal 2010. Wer im Endeffekt tatsächlich alles dabei sein wird kann ich noch nicht sagen. Zusagen oder Ergebnisse hab ich Bereits von Ercandize, Flipstar, Favorite, Savas. Das sind jetzt nur 4 Namen, aber bei allen anderen würde ich lieber aufs Ergebnis warten bevor ich die definitiv verkünde.

assazeen_logo

Dies wird sicherlich nicht deine einzige Veröffentlichung bleiben. Was kann man von dir noch erwarten? Das Ercandize Album? Illicite?

Momentan steht tatsächlich einiges an. In Deutschland arbeite ich am Ercandize Album, die Arbeiten an Illicite sind abgeschlossen, da ha bin ich natürlich auch vertreten, am Witten Untouchables (Mess & Kareem und Lakmann) Album, an Sachen für Savas, an Sachen für Mädness, an Sachen für Phreaky Flave, an Sachen für Vega und natürlich an Sachen für End vom einervondenguten Camp was so ein bisschen meine zweite Homebase geworden ist. Außerdem arbeite ich mit einem deutschen Rapper an einem Album mit dem wir schon zur Hälfte durch sind. Den Rapper darf ich noch nicht nennen weil der das ganze „langsam“ angehen lassen möchte, aber dieses Album wird definitiv unser „Baby“ (no Bruno). Obwohl es erst zur Hälfte fertig ist weiß ich jetzt schon das es was ganz besonderes wird was einfach unglaublich gut passt. Ansonsten schick ich meine Beats einfach so weit rum wies geht und versuch neue Kontakte aufzubauen. Gleiches gilt für den amerikanischen Markt. Gestern hab ich noch die Nachricht bekommen das Freeway einen Beat von mir gepickt hat für ein kommendes Mixtape, ansonsten gibt’s da sehr viele Dinge die leider noch nicht spruchreif sind. Man kennt das ja.

Kommen wir zu dem Thema „Produzenten in Deutschland“. Findest du die Produzenten in Deutschland bekommen zu wenig Aufmerksamkeit für ihre Arbeit? Wo liegt das Problem in der Deutsche-Produzenten-Szene?

Ich finde ehrlich gesagt dass generell etwas falsch läuft wenn es um die Wahrnehmung der Produzenten geht. Man muss den Leuten eigentlich immer wieder vor Augen halten das wir es sind die die Musik erschaffen die sie mögen. Wir sind eine komplette Band hinter den Leadsängern die im HipHop eben die Rapper sind. Das alleine müsste schon mal zeigen wie viel Arbeit eigentlich dahinter steckt.

Ich bin eigentlich ein Verfechter der Idee bei Tracks die Produzenten zusammen mit den Rappern zu nennen und sie nicht nur gegebenenfalls als „prod. by“ dahinter zu hängen. Grade im heutigen Zeitalter in dem sich niemand mehr das Inlay von Cds durchliest ist es wichtig dafür zu kämpfen dass da eine Umstrukturierung vorgenommen wird damit unsere Arbeit nicht noch mehr untergeht.
Nicht das das falsch aufgenommen wird: Ich bin kein Fame- oder Aufmerksamkeitsjunkie sondern ich würde einfach gerne sehen das die Produzenten für die unglaubliche Arbeit die sie stemmen die wohlverdiente Anerkennung bekommen.

Um nochmal kurz auf die deutsche Produzentenlandschaft zu sprechen zu kommen: Hier läuft abgesehen von dem oben genannten Problem nix falsch. Wir haben in Deutschland so viele unglaublich talentierte, erfolgreiche Produzenten das es fast schon beängstigend ist. 7inch, Gee Futuristic, Xplosive, Monroe, Shuko, Phrequincy, Brisk Fingaz, Rizbo, Screwaholic, Crada, Snowgoons etc …das sind doch alles Namen die für sich stehen. Ich muss ehrlich sagen das ich das vor ein paar Jahren noch nicht erwartet hätte, aber die deutschen Produzenten haben mit riesigen Schritten aufgeholt und sind meiner Meinung nach sehr viel innovativer, arbeitswütiger und talentierter als ein Großteil der deutschen Rapper. Dazu kommt das, soweit ich das beurteilen kann, keine Konkurrenz unter uns herrscht. Man hilft dem andern wo man kann und man erschließt gemeinsam neue Felder. Es fühlt sich momentan einfach gut an ein Teil des weitläufigen deutschen Produzentenfeldes zu sein.

Was hältst du von dem Trend dass viele Produzenten „Elektro-Beats“ produzieren um krampfhaft einen Club-Hit zu landen?

Man tut einfach was man tun muss. Von irgendwas muss man ja nun mal leben. Clubhits bedeuten Aufmerksamkeit und Kohle. „Normale“ Produktionen bringen seltenst Geld ein weil viele der deutschen Rapper es einfach verkackt haben. Kein Schwein will mehr deutschen Rap hören weil ihr ihn kaputtgegangstert habt. Deutscher Gangstarap läuft nicht im deutschen Radio weil die Leute die auf der Arbeit oder auf dem Weg zur Arbeit nicht von minderjährigen Posern beschimpft werden wollen. In den deutschen Clubs hat sich der deutsche HipHop sowieso nie etablieren können, also wartet man jetzt nicht mehr darauf das das Publikum sich dem deutschen Rap zuwendet sondern man wendet sich dem Publikum zu indem man anfängt Elektro zu machen weil Elektro grade in ist. Das ist gar nicht abwertend gemeint, ich würd das auch machen.

Um noch kurz bei dem Elektro-Trend zu bleiben, besteht innerhalb der Rap-Szene eine hohe Nachfrage nach solchen Beats oder ist es eher so dass dieser Trend ausschließlich von den Produzenten kommt?

Die Nachfrage bei den Rappern ist schon da. Ich denke dass es von beiden Seiten kommt. Wer möchte denn nicht erfolgreich sein? Aber wie du schon sagst: Es ist ein Trend. Einige werden auf der Elektroschiene bleiben, viele andere werden feststellen wie schwierig es wirklich sein kann was im Elektrobereich zu produzieren und werden sich dem nächsten Trend zuwenden.

Du hast schon für einige internationale Größen produziert (u.a. Young Buck & Tech N9ne), wie bist du an diese Rapper gekommen? Einfach angeschrieben und Beats hingeschickt? Stehen weitere Produktionen in dieser Kategorie an?

Nein, einfach anschreiben kann man zwar dank der zahlreichen sozialen Netzwerke mittlerweile aber das nonplusultra ist immer noch der Kontakt zu jemandem der einen persönlichen Kontakt zu dem jeweiligen Rapper hat. An Young Buck hab ich allerdings tatsächlich einfach was geschickt. Bei Tech N9ne lief aber alles über meinen Manager der einen sehr guten Draht zu den Jungs bei Strange Music hat.
Wie vorhin schon gesagt: Im amerikanischen Bereich gibt es einiges was veröffentlicht werden könnte demnächst, aber ob das tatsächlich passiert ist immer so eine Sache bei den Amis. Der Freeway Track steht fest, alles Weitere ist offen. Allerdings hab ich mein Hauptaugenmerk schon auf den amerikanischen Markt gerichtet und hoffe dass da schon noch einiges passieren wird.

Was siehst du die Entwicklung der Rap-Szene in Deutschland? Nicht nur im Bezug auf die Rapper, sondern auch welchen Einfluss Myspace, Twitter und vor allem Blogs auf die Szene haben?

Ich bin auf jeden Fall ein Fan der neuen Möglichkeiten im Internet. Die bedeuten zwar dass man auch sehr viel Zeit in die Pflege dieser Netzwerke stecken muss, aber gleichzeitig sind die insbesondere für uns Produzenten ein wichtiges Sprachrohr. Über uns erfährt man ja kaum was aus den Medien während manche Printmedien und Onlineportale schon durchdrehen wenn Rapper A Verstopfung hat.

Myspace muss ich aber ganz ehrlich sagen ist für mich mittlerweile nicht mehr als ein Online Spam Ordner. Wenn ich irgendwem sag dass er mich bei Myspace anhauen soll dann heißt das eigentlich das ich nix mit ihm zu tun haben möchte. Twitter dagegen macht mir momentan einfach Spaß. Während ich auf der Arbeit sitze werd ich durch Twitter immer auf dem Laufenden gehalten und kann mich gleichzeitig mit allen möglichen Leuten unterhalten. Eine Top Erfindung das Ganze.

Die Blogs werden immer wichtiger für die Musikszene an sich, nicht nur für den deutschen HipHop. Ich finds immer schön wenn Blogs eine eigene, persönliche Note haben und wenn die nicht so „steril“ sind wie offizielle „News“ Seiten.
Genauso wichtig, wenn nicht noch wichtiger als die persönliche Note find ich sowas wie „The Blog Party“, denn dadurch behält man eine gewisse Übersicht und kann auch Qualitätsstandards setzen. Ich persönlich halt mich zum Beispiel an die Blogs die daran beteiligt sind weil ich weiss das ich dadurch das komplette Feld abgedeckt hab und auch denke das neue wirklich interessante Blogs irgendwann ihren Weg zu „The Blog Party“ finden werden.

Sowas sollte es für Produzenten geben. Das wär wirklich gut um in unserem Feld auch ein wenig die Übersicht zu behalten.

Die Differenzen zwischen dir und Starting Line-Up werden die Meisten mitbekommen haben, wird es in Zukunft trotzdem zu einer Zusammenarbeit mit Pal One, Mnemonic & Co geben oder ist das Kapitel für dich damit geschlossen?

Die Differenzen waren lediglich bezogen auf genau diese eine Aktion. Ich hab ansonsten kein Problem mit den Leuten hinter Starting-Lineup die ich, wie ich ja letztens schon erwähnte, auch gar nicht persönlich kenne.

Einer Zusammenarbeit steht von meiner Seite absolut nichts im Wege. Mnemonic hat ansonsten ja sowieso keine wirklich Verbindung zu Starting-Lineup, da spricht also absolut nichts dagegen, mit Pal One, Prinz Low und RCF würd ich natürlich auch gerne „nochmal“ arbeiten, da wird sich einfach zeigen ob das in Zukunft möglich ist oder nicht.


Zum Abschluss noch ein Brainstorming:

Blogs/Blogparty BILD dir deine Meinung
Assazeen Digital DAS Album des Jahrtausends
Assazeen DAS Label des Jahrtausends
Illicite DAS zweite Album des Jahrtausends
Twitter DAS Netzwerk des Jahrtausends

Danke für das Interview! Die letzten Worte gehören dir!

Ich hab zu danken. Kauft euch alle ab dem 27.11. den Rooq Charity Remix von Donatos – „Angst“ featuring Fiva, Inferno79, Frankstah, Mnemonic und Doze. Der Erlös dieses Tracks kommen dem „Irre menschlich e.V.“ zugute. Ist also für einen guten Zweck. Holt euch ausserdem das gleichnamige Album von Donato das am 04.12. in den Läden steht und meiner Meinung nach die Überraschung des Jahres sein wird!

3 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Pingback: Tweets that mention Rooq: “Blogs werden immer wichtiger für die Musikszene” [Interview] | Rapresent - Deutschrap Blog -- Topsy.com

  2. „ich finds immer schön wenn Blogs eine eigene, persönliche Note haben und wenn die nicht so „steril“ sind wie offizielle „News“ Seiten.“

    So sollte es eigentlich auch immer sein… 😉 das macht den Blog ja (letzten Endes) zum Blog … war ja mal als „Tagebuch“ gedacht .. .^^ wie schnell die Zeit sich dreht!

  3. Ja so führen wir unseren Blog auch (du ja auch). Es würde mir gar keinen Spaß machen lediglich „copy & paste“ zu betreiben. :)

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