Das war unser Splash 2013 – Tagebuch & Festivalbericht

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Freitag – Die Anreise & Marteria

Grasgeruch liegt in der Luft… ne ich wollte bei meinem Bericht ja eigentlich auf jegliche Klischees unseres geliebten Deutschrap verzichten. Empfangen durch überraschend nettes und hilfsbereites Securitypersonal am noch überschaubar gefüllten VIP Campingplatz, startete ich direkt mit einem guten Gefühl ins Festival-Wochenende. Auf dem Weg zum ersten Konzert des Tages, vorbei an den ersten Opfern überdurchschnittlichen Alkoholkonsums, wurde mir klar: Wenn du ein Tagebuch der kommenden 3 Tage führen willst, meide diesen Bereich mit all seinen Verführungen am besten direkt komplett. An der Mainstage angekommen, hob mich die Anlage der Bühne bzw. die Beats von Chefket, direkt aus meinen locker geschnürten Schuhen. Coole Beats, flüssiger Flow und erstaunlicher Gesang überzeugten scheinbar auch das gröhlende Publikum. Fraglich nur, ob ein Housetrack, entstanden in Zusammenarbeit mit Lexy & K-Paul, ein passender Abschluss des Konzertes war.

Sein Nachfolger Damion Davis, von Beginn des Konzertes auf gefühlten 200% Akku, war wohl das erste große Highlight des Deutschrap-Freitags. Ab der ersten Sekunde ohne jegliche Berührungsängste zum Publikum, mischte sich der sympathische Kerl aus dem Hause Spoken View mehrmals unters euphorische Publikum. Mit dem nötigen Selbstbewusstsein traut man sich dann auch gerne mal öffentlich seine Wut gegenüber der Polizei bzw. dem Frauenfeld in großer Runde kund zu tun. Zumindest den Seitenhieb gegenüber dem Schweizer Festival rückte er in unserem anschließenden Interview ins rechte Licht – Spaß muss sein!

Im Anschluss ging es direkt zur idyllisch am Wasser gelegenen Samoa Stage. Warum die Newcomer des Jahres auf einer für sie absolut unterdimensionierten Bühne Platz nehmen mussten, konnte keiner der Genetikk Fans wirklich verstehen. Im Hause Selfmade Records wusste man sich jedoch mit einer gut durchdachten Aktion, Masken für das nahezu gesamte Publikum, durchaus gut zu helfen. Somit war eine enorme Präsenz der Jungs auf dem Festivalgelände garantiert. Trotz einer überschaubaren Bühnenperformance zogen die Jungs schon nach kurzer Zeit das Publikum in ihren Bann.

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Gegen den Headliner des Tages, Marteria, war jedoch wortwörtlich keinem Künstler ein Kraut gewachsen. Stimmungstechnisch definitiv eine Nummer über allen Vorgängern, hüllte er die Mainstage erwartungsgemäß mehrfach in grünen Rauch und beeindruckte als Marsimoto die Massen. Glaubwürdig erfreut über seine Anziehungskraft und die wahnsinnige Stimmung, gab der sympathische Rostocker seine Klassiker und auch neues Material zum Besten.

Samstag – Mehr Rock im Rap kommt an!

Durch ein reichhaltiges Festival-Frühstücksbuffet (1 Brot/1 Paar Wiener) gestärkt, ging es direkt zum ersten Act des Tages, Rockstah. Hätte man sein Programm nur am Rande verfolgt, könnte man meinen man befindet sich nicht am Splash, sondern bei Rock im Park. Bei genauerem Hinhören, und das bestärkte er auch in unserem späteren Interview, packt er seine Rhymes aber ganz einfach nur auf rocklastigere Beats die durch eine Liveband interpretiert werden. Nicht mehr und nicht weniger. Die noch überschaubar vielen Zuschauer an der Hauptbühne nahmen seine Musik und seinen speziellen Humor definitiv gut an, machten sich aber gefühlt erst warm für seinen Nachfolger.

Megaloh, warum auch immer erst seit diesem Jahr mit dem längst verdienten Erfolg, stand in den Startlöchern. Wie vermutet kam sein Verkaufsschlager „Endlich Unendlich“ auch live sehr gut an. Durch einige Gastauftritte verstärkt, ist sein Auftritt wohl einer der im Gedächtnis bleibt. Für gewöhnlich nimmt man Battlecontests auf Festivals wohl eher als netten Sidekick wahr. Die zu Recht auf der Aruba Stage ausgetragene Reihe „End of the Weak war jedoch wie vermutet weitaus mehr. Das durch technisch und inhaltlich überdurchschnittliche MCs geprägte Programm füllte schnell einen Großteil der Ränge. Scheinbar ebenfalls beeindruckt mischten sich auch Acts wie z. B. Edgar Wasser unters Publikum. Wir werden die Highlights des Battles übrigens wie bereits angekündigt zeitnah in unserer Radiosendung ausstrahlen.

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Hat eine Boyband einen Platz im Lineup der Vulcano Main Stage verdient? Schon nach wenigen Minuten konnten die Orsons mich, sowie vermutlich einen Großteil der Unentschlossenen, mit ihrem Comedy-Rap Programm von sich überzeugen. Gewohnt witzig und mit einem sehr authentisch gespielten Notarzteinsatz am Anfang ihres Auftritts, färbten die Jungs kurzerhand das Publikum in einer exzessiven Farbschlacht bunt ein. Spätestens ab diesem Zeitpunkt hatten Maeckes, Plan B, Tua und Kaas das Publikum auf ihrer Seite.

Wer solls noch toppen? Casper? Kurz um, er hats getan! Schon zu Beginn des Auftritts um 23:30 Uhr war die komplette Fläche der Hauptbühne bis auf den letzten Platz gefüllt. Noch ein kurzes Warmup mit Hip-Hop Klassikern und los! Auch ohne neue Songs riss er, und das kann ich guten Gewissens behaupten, mit seinem bereits releastem Material die Bühne förmlich ab. Das der gut gelaunte und ehrliche Begeisterung ausstrahlende Kerl von nebenan zu „Mittelfinger hoch“ auch noch Kollegah auf die Bühne holte, war zwar eine große Überraschung, jedoch letztendlich nur noch Formsache. Zum Ende des Auftritts sorgte ein, die komplette Bühne umfassendes, Plakat erst für Verwirrung. Die durch Smartphones geprägte Generation konnte diese Ratlosigkeit jedoch umgehend per Facebook aus der Welt schaffen. „Hinterland“ heißt Caspers neues Werk, die dazugehörigen Tourdaten stehen ebenfalls – mehr geht nicht!

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Sonntag – Blumentopf oder Chakuza?

Muss man eigentlich ein schlechtes Gewissen haben, wenn man den Auftritt von Chakuza einem der „Kultjungs“ von Blumentopf vorzieht? Im Nachhinein betrachtet, und das sage ich nach Gesprächen mit mehreren Besuchern der Blumentopf Show, habe ich mich scheinbar richtig entschieden. Passend zum Sound des aktuellen Albums „Magnolia“, fand sich Chakuza um 20:30 Uhr auf der sehr viel kleiner geratenen Aruba Stage ein. Unterstützt durch eine (immerhin optisch) deutlich jüngere Band, ging es direkt von der ersten Minute in die Vollen. Obwohl das aktuelle Material des Wahl-Berliners eigentlich wenig Potential zum Pogo bietet, ging es erstaunlich gut zur Sache. Ich denke spätestens mit diesem Auftritt hat Chakuza bewiesen, dass er ein überdurchschnittlich guter Musiker mit hohem Livepotential ist bzw. die Trennung von Bushido seinem Werdegang nur gut getan hat. Als ich im Anschluss noch kurz die Zugabe der Jungs von Blumentopf mitnehmen konnte, wurde ich von einer im Verhältnis fast gedrückten Stimmung auf der Hauptbühne überrascht. Ich möchte aber nicht bestreiten das mein Eindruck täuscht und die 2-3 eingefangenen Meinungen kein aussagekräftiges Bild des Auftritts abgeben.

Kurzum – das Splash 2013 war ein großartiges Festival mit außergewöhnlichen Besuchern und familiärer Stimmung. Das bombastische und mit viel Liebe zum Detail gestaltete Gelände sowie das mit Bedacht ausgewählte Lineup rechtfertigen jeden Euro des Kartenpreises und machen schon jetzt Lust aufs kommende Jahr. Splash, ich komme wieder!

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