Nazar – Paradox (Review)

Der Streetfighter Nazar veröffentlicht am heutigen 26.06.2009 sein Album „Paradox“. In Deutschland größtenteils noch unbekannt, versucht er nun seine bestehende Bekanntheit in Österreich auf uns zu übertragen. Schauen wir uns mal an was der Rapper mit iranischen Wurzeln auf den nächsten 16 Tracks zu erzählen hat.

Schon das Intro schafft mit anfänglichen orientalischen Gesängen und dem darauffolgenden krachendem Beat eine Stimmung, die Lust auf mehr macht. Passend zu einem Straßenrap-Album wird erst einmal in „Wer bist du“ und „Ultimate Warrior“ verbal aufgeräumt. Die Produktionen von Beatlefield & Beatzarre unterstützen druckvoll Nazar’s Aussagen.

Ein Moment reicht und es wendet sich das Blatt. Der Tag wird zur Nacht und die Stärksten werden schwach.

So rappt Nazar in „Ein Moment“ in dem es um die Vergänglichkeit im Leben geht und es ist der erste Track, der mir aufzeigt, dass das Album vielseitiger zu werden scheint als ich es anfangs erwartet habe. Das erstreckt sich weiter in Tracks wie „Falsche Werte“, der durch den Gesang von Jonesmann unterstützt wird. Was sind falsche Werte und welche davon sind verstärkt bei der heutigen Jugend zu erkennen? Sicherlich eine Thematik, die nicht vor Innovation strotzt aber es kommt ehrlich rüber und schafft ein weiteres Mal eine angenehme Atmosphäre.

Bruder, wenn wir bloß noch Kinder wären dann würden wir mit nem Lächeln durchs Leben ziehen. Bruder, guck wie die Gesellschaft uns getrennt hat. Wir sind jetzt zerissen wegen dir.

Kriminelle Vergangenheitsbewältigung könnte man den Track „Bruder“ nennen, die mit einem weinenden und einem lachenden Auge lyrisch umgesetzt wird und aufzeigt, dass Nazar hin und her gerissen zu sein scheint. Das Album ist prinzipiell sehr geprägt von Nazar’s Vergangenheit und seinem Leben als Immigrant, seinem Leben auf der Straße und dem alltäglichen Struggle. Jedoch stimmt hier die Umsetzung. Sei es im Track „Össi Ö“, der ein Feature von Chakuza und Raf Camora enthält oder auch in „Kanackenstolz“.

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Außerdem sind noch die Features von Godsilla & Baba Saad zu erwähnen, die aber über ein „passt schon“ nicht hinweg kommen. Dagegen ist die erste Singleauskopplung „Präsidentenwahl“ zusammen mit Summer Cem um einiges hochwertiger.

Das Album endet hingegen nicht mit harten Beats und Lyrics sondern sehr nachdenklich. Unterstützt wird das in „Dann ist es Zeit“ von dem Sänger Ozan, der mir völlig unbekannt ist, mich aber mit seiner Stimme überzeugen konnte.

Nun ist es Zeit Fehler zuzugeben und sie nicht zu wiederholen denn jedes Mal wenn es passiert werfen wir einen Blick nach oben.

Fazit:

Auf „Paradox“ erleben wir einen Nazar, der einerseits das Image eines „Straßenrappers“ verkörpert und sich selber als Streetfighter sieht. Andererseits besteht ein großer Teil des Albums aus nachdenklichen und selbstreflektierenden Songs, die mich insgesamt zu einem positiven Fazit kommen lassen. Denn genau diese Mischung macht aus „Paradox“ ein sehr vielseitiges Album wie schon oben erwähnt. Ich meine nicht zu übertreiben wenn ich behaupte, dass dieses Release eins der besten im Jahr 2009 bis jetzt ist, wobei ich hiermit ausschließlich den Bereich des „Straßenraps“ meine oder wie auch immer man diese Art von Rap definieren mag. Ausnahmen wie „Junkie“ oder „Nazarfakker“, die mir persönlich absolut nicht gefallen, müssen nicht sein, trüben das Gesamtbild aber nur minimal.

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Fotos: Mellowvibes, Jahmal

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