Mister Morris: „Ich erlebe HipHop speziell durch intelligente Texte mit technischen Skills.“ [Interview]

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Mister Morris heißt der Rapper den wir euch heute vorstellen möchten und der uns jede Menge über sich und seine Art Musik zu machen erzählt. Nehmt euch ein bisschen Zeit und gebt euch unser Interview mit Mister Morris.

Servus Morris, schön, dass du dir Zeit für ein kurzes Interview genommen hast. Zu Beginn die obligatorische Vorstellungsrunde.

Mister Morris, 27, MC, Beatproducer, zusätzlich tätig im Bereich Videoschnitt, Grafik, Fotografie, Malerei

Auf deiner Facebookseite schreibst du Consciousrap machst. Meist vermeiden Rapper ja sich selber musikalisch einzuordnen. Wieso machst du das? 

Als ich mit dem Rappen um 2002 anfing, hatte ich eine direkte Vorstellung wie ich mich präsentieren wollte und wie mein Rapstyle werden sollte.Ich kam so direkt zu Battlerap der nicht mit Fäkalsprache und groben Beleidigungen meinen Gegner treffen soll, sondern seine Schwächen oder Probleme durch genaue Betrachtung sinnig und gnadenlos herausstellt. Dabei wollte ich mich zudem nicht an den üblichen Klischees bedienen. Dazu kam das Interesse an Storyrap, in dem es weder um Drogengeschäfte oder die sonstigen Standartgeschichten geht.

Ich erlebe HipHop speziell durch intelligente Texte mit technischen Skills, die für mich auch nur dann funktionieren wenn der Beat stimmt und im Gesamtklangbild fühlbarer Rap wird. Es geht nicht darum sich selbst hochzuloben, sondern zu versuchen Rap immer wieder auf ein neues Level zu heben, seine Wurzeln jedoch im Kern immer beizubehalten. Diesem Gefühl treu zu bleiben und ein Bewusstsein zu schaffen was Rap für mich bedeutet und welche Rolle er in der Gesellschaft hat, macht mich denke ich zu einem Consciousrapper. Ich sehe das nicht als eine Schublade an in die ich mich stecke, ich bin stolz darauf genau erfassen zu können was ich mache und vermittel.

Du bist nicht nur schon als Rapper knapp 10 Jahre tätig sondern scheinst auch deine Beats selber zu produzieren, aufzunehmen und zu mischen. Ist es dir wichtig, dass deine Musik aus einer Hand kommt oder bist du einfach nur ein Mensch der gerne alle Elemente der Musikproduktion ausprobiert und perfektioniert?

Ich habe mich immer sehr stark von synthetischen Beats distanziert und wollte von Anfang an Beats haben mit dreckigen Drumsets und Oldschool-typischen Melodien.Ich bin nie dazu gekommen selbst ein Instrument zu spielen,aber der echte Klang sollte irgendwie in meine Instrumentals kommen.

So kam ich dazu, selber alten Jazz, Soul und Funk zu samplen um meinem Rap den richtigen Nährboden zu geben. Zum einen aus Begeisterung fürs Produzieren, zum anderen aus Mangel an Beatbauern die meine Vorstellungen von HipHop Beats treffen ist es bis heute so, dass ich lieber Instrumentale baue als zu rappen. Ich neige zu Perfektionismus und mache meine Produktionen in der Regel zu 100% alleine. Es reicht mir nicht nur einen Text zu schreiben.Ich möchte uneingeschränkt, handlungsfrei und unabhängig sein.So kann ich selber entscheiden wann ein Track fertig ist. Das ist mir wichtig und zudem freut es mich auch, wenn Beat-Anfragen kommen.
Wenn mir die MC´s gefallen gebe ich immer gerne nonprofitabel einige Beats ab.

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Du kommst aus Jülich. Gibt es dort so etwas wie eine kleine Hip Hop Szene oder stehst da mehr oder weniger alleine da?

Jülich ist nicht groß, HipHop ist dort immer eher ein Randthema geblieben,allerdings hat die Stadt eine enorm ausgeprägte Musikkultur im Rock-Genre. Neben mir gab es jedoch in Jülich und Umgebung auch immer andere Rapper, die aber nie als eine gemeinsame Community etwas aufgezogen haben.Im Laufe der Jahre habe ich einige Leute sehr schätzen gelernt und mit Sneaker, Buddeck, Agi Dassler und Tobi Miesepeters im Grunde mehr oder weniger eine Crew um mich.

Bei meiner Releaseshow zu „Auge des Wurms“ war es schön zu sehen, wie wir alle auf der Stage versammelt ein Gefüge gebildet haben und es doch mehr interessierte Raphörer in Jülich gibt, als ich bis dahin dachte. Natürlich habe ich auch manche Rangelei mit andern Rappern hier, aber im wesentlichen supportet man sich gegenseitig.

Durch meine Arbeit mit Tobi Miesepeters, einem in der Rockszene angesiedelten Musiker, an einem Rap/Rock-Crossover-Album, musste ich feststellen, das es in Jülich keine Genregrenzen in dem Sinne gibt.Ich stehe auf der Bühne und im Publikum sind 30 Punks die zu meinen Tracks pogen und ausflippen! Es geht da in solchen Momenten um Musik an sich und nicht um die Sichtweisen oder Stilrichtungen.Ich freue mich über jegliche Unterstützung.

Vor Kurzem haben wir über dein Free Download Album Auge des Wurms berichtet. Was erwartet den Hörer dort und kannst du einen Lieblingstrack nennen?

Ich versuche meine Soloalben immer zu einem Konzept zu verarbeiten was Themenauswahl und Atmosphäre der Beats betrifft. Ich bewege mich musikalisch irgendwo im Boombap und halte das auch weitestgehend so, behalte mir aber die Freiheit, auch mal aus der Reihe zu tanzen. Sei es übertriebene Ehrlichkeit oder abgedreht witzig. Mit Sneaker entstehen zB. meistens ironisch gemeinte Songs, mit Voiz driftet es ab in eine SinCity, Agi Dassler nimmt in seiner Rolle als Provokateur mit tief bassiger Stimme alles auseinander. Mit Buddeck als Mann der ersten Stunde gibt es den gewohnten, klassischen HipHop auf dem Album.

Neben diesen Gästen sind noch Sendo und Meiwes von der Kimusaver-Crew vertreten, sowie Soulsänger Tim Hoff, mit dem ich als Abwechslungseffekt zu meinen anderen Releases einmal Gesang in manche Tracks einfließen lassen wollte. Klare Favoriten kann ich persönlich nicht nennen.Jeder Song ist auf seine Weise interessant, der Hörer entscheidet welcher der Tracks ihm mehr oder weniger zusagt. ADW beschäftigt sich am Rande mit der weitverbreiteten Wackness auf deepen Battleraptracks, als auch auf humorvollen Songs. Das Album ist aber zugleich ein Aderlass des kleinen Mannes, in dessen Augen die Tragweite mancher Geschehnisse für ihn riesig und unbezwingbar erscheint. Verlust und Gewinn. Tagebuch eines Wurms.

Was würdest du dir wünschen was ein Hörer dir sagt nachdem er deine Musik gehört hat?

In der vergangenen Zeit wurde ich öfters von Hörern auf meinen Flow angesprochen, der sich aus ihrer Sicht sehr sicher anhöre und technisch auf einem hohen Niveau sei. Andere zeigen sich von den Texten und den Reimfolgen beeindruckt, aber auch davon,dass ich inklusive der Beats alles in Eigenregie produziere und somit über das eigentliche Rappen weiter hinaus gehe. Ich freue mich sehr, wenn Leute meine Arbeit angemessen würdigen und schätzen, auch wenn es nie mein Hauptziel war.

Auch konstruktive Kritik nehme ich gerne an, ich habe über die Jahre gelernt, dass man es niemals Allen recht machen kann und wie ich deshalb mit Kritik richtig umgehe.Schön war: „Morris, das klingt richtig professionell, nicht wie im alten Kinderzimmer mit dem Sure und einem Taperecorder auf ein verstümmeltes Instrumental einer Maxi CD aufgenommen!“

Vielen lieben dank für die Beantwortung meiner Fragen. Ich denke wir werden dich nicht das letzte Mal auf Rapresent gelesen haben. Die letzten Worte gehen natürlich an dich.

Ich bedanke mich bei dir und den Lesern für ihr Interesse! Stay tuned!

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