Massiv – Meine Zeit (Review)

Massiv ist wohl einer der meist diskutiertesten Rapper der letzten Monate. Gründe dafür scheint es genügend zu geben. Sei es seine muskelbepackte und tätowierte Person, die regelmäßigen etwas peinlich rüberkommenden MySpace/Foren-Veröffentlichungen, seine Voting-Armee oder sein Deal mit dem Big-Player Sony BMG. Sowohl Fans anderer Rapper oder aufgebrachte Rapfans, die seit Torch & Toni L Zeiten dabei sind, wetteifern gegen den Rapper der ursprünglich aus Pirmasens kommt. Auch wir von Rapresent hatten schon diverse Diskussionen über die Daseinsberechtigung von Massiv.

„Manche kopieren sogar wie ich meinen Bart schneide, andere hängen sich mein Poster auf ne Dartscheibe.“

Nun steht das dritte Album „Meine Zeit“ in den Läden und es kann wieder fleißig darüber diskuttiert werden wie schlecht Massiv doch sei. Doch ich muss sagen, dass ich nach ausgiebigem Hören des Albums doch eine Steigerung zu vergangenen Releases erkennen kann. Zwar geistert das Gerücht, dass Massiv einen Ghostwriter besitzt weiterhin in diversen Foren umher aber auf diesen Zug möchte ich nicht aufspringen und kann somit ganz klar behaupten, dass Massiv seinen Rapstil verbessern konnte.

Man kann bei „Meine Zeit“ ganz klar das Konzept der Massentauglichkeit erkennen. So findet man gefühlvolle Tracks wie „Dream“ oder auch „Es zählt jede Sekunde“. Als Verstärkung wurden hier Mario Winans und C.J. Taylor (Rapsoul) hinzugezogen, die die Emotionalität verstärken sollen. Ein weiterer thematischer Ansatz des Albums bilden „King of Rap“ oder auch „Ich bin deutscher Hip Hop“, die schon am Titel erkennen lassen welcher Inhalt hier gewählt wurde. Gerade bei „King of Rap“ fühlt man sich an alte Kool Savas Zeiten erinnert was nicht sonderlich klug erscheint, da Massiv zwar seinen Rapstil verbessern konnte, er aber nicht vergleichbar mit dem Können von Savas ist. Hier muss man aber wahrscheinlich davon ausgehen, dass ein Großteil der Käufer besagten Track gar nicht kennen.

Ungewohnt aber doch sehr ansprechend ist „Deutschland“ in dem Massiv seinen Zugehörigkeit zu Deutschland unterstreicht und dem ein oder anderen Jugendlichen mit Migrationshintergrund den Rücken stärkt.

„Egal ob Russe, Deutscher,Türke wir sind alle gleich in einem Land wo man sich ehrenvoll die Hände reicht.“

Auch in „Hand in Hand“ zeigt er in gewisser Weise, dass er sich bewusst ist wer seine Musik hört und das man die jungen Menschen unterstützen muss anstatt ihnen von Gewalt, Hass und negativen Ereignissen zu erzählen.

„Du fragst dich ehrlich was an dir als Mensch besonders ist? Dein Humor, deine Art, du bist so hilfsbereit. Ich zähl auf dich du bist da wenn einer Hilfe schreit.“

Natürlich beschäftigt sich Massiv auch mit seiner eigenen Situation und den ständigen Anfeindungen gegen seine Person. Sicherlich steht es ihm frei dieses Thema anzusprechen, wobei es eigentlich auch in einem Song behandelt hätte werden können. So wurden es dann doch ein paar mehr. Jedoch nimmt er diese Thematik nicht zum Grund an alle Hater Schimpfwörter auszuteilen, sondern spricht von dem Wille weiterzumachen und all seine Kraft einzusetzen um aus Kritikern Sympathisanten zu machen.

Fazit:
Das mag jetzt für viele eine Lobeshymne sondersgleichen zu sein aber ich bitte zu bedenken, dass meine Kritik so positiv ausgefallen ist weil er im Vergleich zu vergangenen Projekten einen Schritt in die richtige Richtung gemacht hat. Persönlich hätte ich das von Massiv nicht erwartet. Sicherlich muss man auch die hervorragenden Soundbetten als Grund sehen warum das Album besser ausgefallen ist als gedacht. Denn die Produktionen von u.a. Brisk Fingaz & Sti, Shuko, Johnny Cash Instrumens & Martelli passen ideal zu den lyrischen Ausführungen. Oft unterschätzt aber unterbewusst ein extrem wichtiger Punkt für ein erfolgreiches Album.

Die Features wurden gut gewählt außer den Beiträgen von Beirut die absolut nicht überzeugen können. Ansonsten sind mir lediglich „M.A.S Techno“ und „Mann aus dem Volk“ etwas aufgestoßen. Der eine Track ist wahrscheinlich eine Geburt des aktuellen Trends Elektro-Beats mit Rap zu verbinden und der „Mann aus dem Volk“ wird mir einfach zu übertrieben dargestellt. Ein kommender Erlöser ist Massiv dann doch nicht.

Generell kann ich sagen, dass ich sicherlich nie der größte Massiv Fan werde da ich einfach zu sehr von anderen Einflüssen geprägt wurde aber ich bin immer beeindruckt von Menschen die trotz Schwierigkeiten/Anfeindungen weiter hart an sich arbeiten und ohne Beschimpfungen auskommen.

Zum Schluss noch die schwächste Line des Albums (um nicht nur lobende Worte zu finden):

„Explosiv wie Dynamite, kultiviert wie Freundeskreis. Marmor, Stein und Eisen bricht ihr wisst wer der Gangster ist.“

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Cover: Massiv.to , Bild: David Cuenca

3 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Bin ich der einzige der die Line aus dem Track „King of Rap “Explosiv wie Dynamite, kultiviert wie Freundeskreis. Marmor, Stein und Eisen bricht ihr wisst wer der Gangster ist.” so interpretiert das er alle bekannten rapper aufzählt.. der bozz dynamite freundeskreis etc… aufjedenfall sind diie Songs Hollyhood, Gewisse Etwas und Deutschland die Hits auf diesem Album. Hammer produzierte beats.
    Respekt!

  2. Ne das haste schon richtig interpretiert. Ok ob man Azad darin findet weiß ich nicht aber DD und Freundeskreis sind ja ersichtlich. :)

  3. Pingback: Massiv - erste Interviews im Radio + TV » Rapresent

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