Edgar Wasser im Interview: “Ich habe die obligatorische Metamorphose vom Fan zum Künstler durchgemacht.”

Auch diese Woche möchte ich mit einem tollen Interview starten. Der Interviewpartner stand schon lange ganz oben auf meiner Liste und so freue ich mich, euch heute ein ausführliches Gespräch mit dem Münchner Edgar Wasser präsentieren zu dürfen. Er zählt zu den interessantesten Newcomern des letzten Jahres und ob er das genauso sieht uvm. könnt ihr ab sofort bei uns nachlesen.

Hey Edgar, danke für die Zeit die du dir für die Beantwortung meiner Fragen nimmst. Alles klar bei dir?

Ja, alles gut. Danke der Nachfrage. Habt ihr nicht geschrieben, dass es Miami Weisz nicht wirklich gäbe? Nur um das kurz klarzustellen: Miami Weisz gibt es. Wirklich. Vielleicht macht er ja einen Disstrack, um seine Existenz zu beweisen.

Kannst du dich kurz vorstellen für alle, die dich noch nicht kennen?

Meine Name ist Edgar Wasser. Ich mache Beats und schreibe Texte. Wer sich mein bisheriges Schaffen zu Gemüte führen möchte, kann sich meine EP’s („Stockholm-Syndrom EP“, „ThisFolderMayContainTheMeaningOfLife“ & „Es rappelt in der Kiste!“ mit Miami Weisz) kostenlos runterladen. Ich rappe seit ca. 4 Jahren und produziere seit ca. 1 Jahr Beats, aus Mangel an selbigen.

Bei Facebook habe ich gelesen, dass du aus Chicago kommst. Ist das wahr? Kommst du aus Chicago und wie hat es dich dann nach München verschlagen?

Ja, ich wurde in Chicago geboren und habe 3 Jahre in den USA gelebt, bevor ich nach Deutschland, München, gezogen bin. Wenn ich mich recht entsinne, sind wir geflogen. In einem Flugzeug.

Man erfährt relativ wenig über dich als Künstler im Internet. Willst du das bewusst vermeiden oder hast du mit Internet + Marketing nicht wirklich viel am Hut? Und wenn du bewusst wenig Informationen streust … warum?

Ach, ich finde das halt völlig egal. Wenn meine Musik einen Künstler mit einem Gesicht oder einem Image braucht, um hörenswert oder interessant zu sein, dann ist meine Musik nicht gut genug. Kunst muss für sich stehen können. Meine Lieder befassen sich ja nicht mit Themen, die eine Kenntnis über mich als Person oder meine Vergangenheit abverlangen. Und wenn das doch passieren sollte, dann sollte das Lied selbst den Hörer aufklären und kein Mausgeklicke bei Google. Wusstet ihr, dass Amy Winehouse mal Musik gemacht hat?

Was hat dich inspiriert Musik zu machen und wie bist du dazu gekommen?

Ich habe die obligatorische Metamorphose vom Fan zum Künstler durchgemacht. „The Eminem Show“ war das erste Album, das mich wirklich beeindruckt hat. Damit hat alles angefangen. Und gefühlte hundert Jahre später, saß ich dann in meiner selbsterbauten Rapbibliothek, zugedeckt mit unzähligen G-Unit-, Aggro Berlin- und Optik Records-CD-Booklets und habe meinen ersten Text geschrieben. Die Anregung für meine Musik variiert: Gespräche, Filme, Ereignisse. Ich kann dir jetzt keine Faustregel oder bestimmte Inspirationsquelle nennen.

Seit Ende letzten Jahres wird ja fleißig über dich und deine Releases berichtet. Bis vor 1 Jahr kannte dich noch keiner und jetzt hast du doch respektablen Bekanntheitsgrad erlangt. Stolz?

Ach, ja… Schon. Wobei das nie DIE Motivation war. Aber ich freue mich wenn Leute meine Musik hören und mir Resonanz geben. Ich bin dankbar für jeden der sich die Mühe macht meine Sachen runterzuladen oder darüber zu berichten.

Interessierst du dich für die existierende Deutschrap Szene und wenn ja gibt es Künstler mit denen du gerne zusammen arbeiten würdest?

Ich bin mir nie wirklich sicher, was „die Szene“ ist. In meinem Kopf existiert eine Liste von Künstlern, die ich gut finde, da ist es zweitrangig, wer derzeit große Medienpräsenz genießt oder anstehende Veröffentlichungen hat. Und die Liste ist lang. Sir Serch, Maeckes & Plan B, Kaas, Tua, Sido, Beginner, Mach One, K.I.Z., Dendemann, Samy, Marteria, Morlockk, Pi um ein paar zu nennen. Und ja, Huss & Hodn stehen auch drauf. Diese Liste gilt eigentlich auch für wünschenswerte Kollaborationen. Mit mir, aber auch untereinander. Swinger-Club.

In deinem Track 06.01.2011 rappst du mit einer ordentlichen Portion Sarkasmus und Ironie über uns Blogger die glauben herausgefunden zu haben, dass du sozialkritischen, jazzlastigen Sound machst, der sich nach Huss & Hodn anhört. Hat dich diese Berichterstattung gestört oder entstand der Track einfach nur aus Spaß?

Ich finde es eigentlich immer schade, wenn man einen Künstler mit einem anderen vergleicht. Kunst kann nicht identisch sein. Dadurch verlieren beide verglichenen Parteien an Wertschätzung und Akzeptanz. Man absorbiert dadurch alle Ähnlichkeiten, bündelt sie und lässt die wirklichen Eigenheiten außer Acht. Das hat mich gestört. Denn ich finde nicht –und ich vertrete in diesem Fall natürlich die subjektivste Meinung-, dass ein Vergleich mit Huss & Hodn meiner Musik gerecht wird. Ich will jetzt keine Argumente oder Gegenbeweise aufzählen, das muss jeder für sich entscheiden. „06.01.2011“ ist nicht aus Spaß entstanden, der ist sehr, sehr ernstgemeint. Nicht nur was die Verweise auf die Berichterstattung angeht, sondern auch was den Rest der Strophe angeht. Hört man das denn nicht?

06.01.11 (prod. by Edgar Wasser) by Edgar Wasser

„Das ist gute deutsche Aufarbeitung: oberflächlich. Jegliche Absicht und Kontext ignorieren, doch brav auf die bösen Signalgesten reagieren!“ (Zitat aus 06.01.2011) Fehlt dir eine objektivere und intensivere Auseinandersetzung mit deinen Texten in den Online-Medien bzw. unter deinen Fans und Hörern?

Ich bekomme ja nur das mit, was für mich im Internet zu finden ist. Ich schätze, dass es auch ein paar Hörer gibt, die nicht mit mir bei Facebook befreundet sind und auch keine Kommentare im Netz abgeben. Ich kann nur das beurteilen was ich sehe. Und da wünsche ich mir keine objektivere Auseinandersetzung, Musik ist etwas höchst subjektives, aber eine intensivere. Vor allem was solche Songs wie z.B. „Deutschsein“ oder „Hochhäuser“ anbelangt. Ich mache keine Musik zum blind hören. Ich halte mich auch oft mit meiner eigenen Meinung zurück. Natürlich gebe ich die Zeilen vor, aber diese sollten im besten Fall als Denkanstöße dienen. Was die Blogger betrifft, würde ich mir wünschen, dass die Rezensionen über so grobe Begriffe wie „Sozialkritik“ oder „Ironie“ hinausgehen.

Drehen wir den Spieß einfach mal um. Du bist nun ein Blogger und hast gerade die Musik von Edgar Wasser gehört. Wie würde der Artikel darüber aussehen?

„Edgar Wasser – Nobelpreis oder Todesstrafe? Der deutschsprachige Sprechgesangskünstler Edgar Wasser erfindet zwar das Rad nicht neu, aber dafür ein Mittel zum absoluten Glück: sinnfreie Musik. Doch Forscher und Ärzte warnen vor dem Zaubermittel. Anscheinend löst ein mehrmaliges und gelegentliches Hören der Rapsongs Edgar Wassers chemische Reaktionen im meschlichen Körper aus, bei dem das Gehirn sich automatisch zurückentwickelt. In eingängigen HipHop-Foren wird das Phänomen heiß diskutiert, diverse Blogs wie z.B. „rapresent.me“ verkommen jedoch schon zu undurchsichtigen Epizentren verstörender Glückseligkeit. David, einer der rapresent.me-Blogger verkündete heute via Twitter: „ahhahhaha, höhr seid vierzigachtzehn stunndän etkar wassa!!!!LOL!!!voll klüklich. (sic!)“…“ – genau so.

Zum Schluss noch die obligatorische Frage. Was steht 2011 bei dir an? Bleibst du beim Free-Download-Format oder arbeitest du vielleicht schon an einem ersten Kaufalbum?

Ach, mal gucken. Die Möglichkeit einen physischen Tonträger auf den Markt zu bringen habe derzeit nicht. Ich schätze, es wird wohl wieder ein Free-Download. Aber wann und was genau, weiß ich selber nicht. Ich schreibe zwar momentan Texte, aber naja, mal gucken. Ansonsten habe ich ein Feature mit Tufu aufgenommen, werde auf einem Remixtrack mit ua. Miami Weisz zu hören sein, heute habe ich meine Strophe für einen Kollabo-Track mit Gossenboss mit Zett vertont, außerdem werde ich auf dem nächsten Herr Merkt-Kennlernrunde-Sampler vertreten sein. Ach, und ich werde irgendwann noch ein Downloadpaket mit allen bisherigen Freetracks zusammenstellen. Soweit.

Vielen Dank, dass du dir für die Fragen Zeit genommen hast.

Kein Ding, ich danke euch.

6 Kommentare Schreibe einen Kommentar

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  3. ahhahhaha, höhr seid vierzigachtzehn stunndän etkar wassa!!!!LOL!!!voll klüklich

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