Die Inflabluntahz im Interview: “Die Leute sehnen sich nach ehrlichem Rap.”

Seit dem 1.April ist die erste Vinylpressung der Inflabluntahz „Ungeschnittene Seele“ käuflich zu erwerben und wir haben das genutzt um mit den beiden ein ausführliches Interview zu führen. Neben ihrer aktuellen Veröffentlichung, sprechen wir über deren Status im Deutschrap, die Resonanz ihres letzten Albums und den steigenden Anspruch an sich selbst. Wir wünschen viel Spaß beim lesen.

Hallo zusammen. Vielen Dank, dass ihr euch die Zeit genommen habt uns ein paar Fragen zu beantworten.

Obwohl ihr bereits 3 Alben veröffentlicht habt und seit 2003 zusammen recordet, kennen euch sicherlich noch nicht alle Leser. Stellt euch doch bitte kurz vor.

Franksta‘: Wir sind die Inflablunthaz, bestehend aus Nicoist, der größtenteils für die ganze soundtechnische Arbeit wie das Mischen und Mastern, die Grafikgestaltung usw. verantwortlich ist, und mir, dem Rapper dieser Zweimanncrew. Bei unseren Projekten kümmere ich mich um die kreative Vorarbeit, schreibe meine Raps, und nehme auch die Scratches für unsere Songs auf. Zusammen versuchen wir einfach sehr ehrlichen, straighten Rap zu machen, der unserer Meinung nach in der heutigen Zeit des Ghetto-Raps sehr selten geworden ist.

Ist das nur meine Wahrnehmung oder fühlt ihr euch auch etwas unterrepräsentiert was euren Bekanntheitsgrad betrifft? Und was meint ihr, woran könnte das liegen? An der Qualität eurer Musik (im Bezug auf das letzte Album „Segen und Fluch“) kann es ja nicht liegen.

Franksta‘: Eine sehr gute Frage. Also einerseits denke ich, wir können inzwischen schon richtig stolz auf unseren Bekanntheitsgrad sein, und vor allem auf unsere Fans, die uns wirklich unglaublich unterstützen mit ihrem Feedback zu unserer Musik. Im Grunde haben wir es schon weiter geschafft, als wir es uns selbst noch vor einigen Jahren ausgemalt hätten. Andererseits definitiv ja, man fühlt sich trotzdem unterrepräsentiert und merkt, dass es eigentlich gar nicht an der Musikqualität liegt. So was demotiviert einfach im ersten Moment, wenn man weiß, dass man im Grunde eine überzeugende Leistung bringt, und es trotzdem an so vielen Menschen vorbeizieht. Dabei denke ich, dass unsere Musik ganz sicher etwas mehr Anklang finden würde, wenn sich mehr Menschen damit in Ruhe auseinandersetzten.

Ich denke den Grund kenne ich aber von mir selbst… ich bin inzwischen genauso unmotiviert in „eher unbekannten“ deutschen Rap reinzuhören, weil es immer das gleiche ist. Es langweilt mich ehrlich gesagt, und so wird es vielen Hörern auch gehen, es besteht einfach kein Hunger, einige unbekanntere Sachen auszuchecken, und deshalb hört man auch so leicht daran vorbei oder bleibt wie wir teilweise in der überfüllten Szene ungehört.

Ein anderer Aspekt ist die Vermarktung. Ohne ein richtig krasses Promotion-Budget funktioniert es heutzutage nur sehr schwer auf sich aufmerksam zu machen, da hilft auch eine gute, ausgereifte Albumqualität nicht. Man muss wohl entweder gepusht werden von irgendwem, Beziehungen haben, sich bekannte Features „erkaufen“ oder einfach das nötige Kleingeld haben. So funktioniert das Business. Ansonsten kann man es mit richtig guter Soundqualität, einem amtlichen Album, ordentlicher Promotion nur bis zu einem bestimmten Punkt schaffen …doch leider nur sehr schwer darüber hinaus. Vor genau dieser Hürde stehen wir im Moment. Denn was bringt es, sich als Künstler immer weiter entwickeln zu wollen, Pläne zu schmieden in denen man noch mehr Menschen erreichen will und ständig nach mehr strebt, wenn es nicht mehr in der eigenen Hand liegt sondern nur am Geld scheitert?

Bisher steigt die Inflabluntahz-Kurve aber stetig an, seit 2003 bis heute im Jahr 2011 und bisher haben wir für uns schon viel erreicht… trotzdem ist noch vieles mehr möglich. Ich weiß nicht, wo es irgendwann enden wird, aber ich will definitiv herausfinden wo unser Limit liegt!

Nicoist: Ich denke, es ist jetzt an der Zeit, dass wir uns mehr auf Live-Auftritte konzentrieren. Bislang haben wir den Bereich immer etwas außer Acht gelassen, und das Tracks produzieren und Album veröffentlichen an erste Stelle gestellt. Wenn wir aber ernsthaft voranschreiten wollen, sollten wir auch live stark und präsent sein. Leute fragen uns immer wieder nach Gigs, doch haben wir kein Live-Set, dass wir spielen könnten. Das wollen wir ändern und steht auch spätestens nach dem nächsten Album auf der Tagesordnung.

Euer Album „Segen und Fluch“ erschien fast genau vor einem Jahr. Wie fällt ein Jahr später eure Resonanz aus?

Franksta‘: Die Resonanz ist unglaublich groß. Ich merke einfach, wie die Leute sich nach dieser sehr ehrlichen Art von Rap sehnen, und so was freut uns natürlich wahnsinnig! Wir sind auf jeden Fall auch weiterhin hochmotiviert, wobei sicher mit wachsender Fangemeinde auch der Anspruch an uns selbst immer weiter steigt. Inzwischen haben wir auch ein Inflabluntahz Streetteam gegründet. Die Leute, die uns gerne supporten möchten, können sich dort anmelden und bekommen dann Promotion-Pakete mit Stickern, Plakaten etc. zugeschickt. Allein die immer weiter steigende Zahl der Streetteam-Mitgliedern zeigt uns auch, dass unsere Hörer wirklich motiviert sind unsere Musik auch aus eigener Kraft weiter publik zu machen. Das nenne ich wirkliche Unterstützung, so was kann man sich als Künstler nur wünschen! In diesem Sinne, riesengroßen Dank ans Streetteam und unsere gesamte Hörergemeinde.

Kommen wir in die Gegenwart. Am 1.April 2011 erschien das Album “Ungeschnittene Seele”, das eine Art Best-Of Album darstellt. Wieso dieser Schritt zum jetzigen Zeitpunkt eurer Karriere?

Franksta‘: Ich gebe zu, uns ging es weniger um das „Best of“ sondern eher um die Vinylauskopplung. Wir hätten auch gerne das „Segen und Fluch“ Album als Schallplatte veröffentlicht, aber das hätte wohl unseren finanziellen Rahmen gesprengt. So hat es sich einfach angeboten, ein Jahr später eine Vinyl-Edition unserer beliebtesten Songs rauszubringen. Die Nachfrage ist schon seit Jahren da gewesen und 2011 war es endlich an der Zeit dafür.

Nicoist: Ganz genau, der Zusatz „Best-Of„ soll nur signalisieren, dass es sich nicht um ein neues Album handelt, sondern um eine Kompilation von bereits erschienenen Tracks auf Vinyl. Allerdings ist auch bisher unveröffentlichtes Material auf der Platte.

Kann man sagen, dass dieses Album eine Art „Fanprojekt“ ist, da ja die Wahl der Tracks von den Fans bestimmt wurde, genauso wie der Wunsch der Veröffentlichung auf Vinyl?

Franksta‘: Schon irgendwie. Ich denke wir versuchen den Leuten einfach immer recht viel zu bieten, sei es nun musikalisch oder bei unseren Veröffentlichungen.

Ihr seid die ersten Künstler, die auf dem neuen Label FeineKreise erscheinen werden. Grund ist, dass Rubin Music leider schließen musste. Spielt da Wehmut mit oder seht ihr das positiv, als eine Art Neuanfang?

Franksta‘: Eigentlich weder noch, weil die Fäden im Hintergrund noch immer von dem gleichen Team gezogen werden, worüber wir sehr glücklich sind. Für uns hat sich in der Hinsicht eigentlich nichts verändert, wir haben nur etwas mehr von der Promotion und der Arbeit im Verkauf abgegeben, um uns jetzt wieder mehr auf die Musik konzentrieren zu können.

Was kann man von euch in Zukunft erwarten? Arbeitet ihr bereits am 4.Album?

Franksta‘: Ja, ich habe inzwischen wieder angefangen neue Tracks aufzunehmen. Nach einer Album-Veröffentlichung dauert es bei mir immer einige Zeit bis ich wieder zur Ruhe gekommen bin, um die ersten Steine für ein neues Projekt zu legen. Ich lasse mir für das nächste Album bei der Auswahl der Beats und beim Schreiben selber auch wie immer wirklich Zeit. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, wie lange es diesmal dauern wird. Es wird sich sicher irgendwann die nötige Eigendynamik entwickeln, aber wie ich schon sagte, der Anpruch an uns selbst steigt und wir möchten im besten Falle ein Album fertig stellen, an dem Deutschland nächstes mal nicht so einfach dran vorbei hören kann… das ist gerade mein Antrieb Bei wachsendem Anspruch steigt aber auch der Druck, den man sich unterbewusst macht. Was nicht wirklich positiv auf das Schreiben auswirkt, weil das Schreiben ja eher gedankliche Freiheit bedeutet.

Nicoist: Ja, die Kunst dabei ist, sich trotz der wachsenden Erwartungshaltung in uns selbst, seine innere Freiheit zu bewahren, und mit Spaß und Enthusiasmus bei der Sache sein zu können.

Ich würde das Interview gerne damit beenden, dass ihr folgende Sätze beendet:

Meinungen anderer Menschen… finden wir zwar schon irgendwie wichtig, aber die beeinflussen uns nicht, in unserer Art Mensch zu sein oder Musik zu machen.

Hip Hop ist für mich… ein zweischneidiges Schwert, Höhen und Tiefen, pure Kraft und Soulmusik.

Eine Reise nach… Spanien auf dem Jakobsweg wäre mal eine interessante Sache.

Deutscher Rap muss… merken, dass da noch mehr geht…

Die Musikindustrie kann… uns mal (lacht).

Dann danke ich euch für die Beantwortung meiner Fragen, wünsche viel Erfolg mit euren weiteren Releases und überlasse euch natürlich das letzte Wort.

Franksta‘: Wir bedanken uns natürlich auch für dieses Interview und hoffen, wir konnten auch hier noch einige Hörer auf unsere Musik aufmerksam machen. Ein großes Danke auch an die Menschen die uns supporten… BIGUP an euch! Und haltet die Ohren offen, das nächste Projekt wird noch hungriger als alles bisher.

Nicoist: Ich sag auch Danke. Ihr wisst, was geht…

Weitere Infos zu den Inflablunthaz gibt es hier:
Facebook | Twitter | FeineKreise | Homepage

Fotos via FeineKreise (Presse)

3 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Sehr schönes Interview und derbst sympatische Jungs. Kleb‘ ja selber fleißig Sticker und häng‘ Plakate auf.

    Dabei denke ich, dass unsere Musik ganz sicher etwas mehr Anklang finden würde, wenn sich mehr Menschen damit in Ruhe auseinandersetzten.

    WORD!

  2. Wir freuen uns auf die live gigs!!!!!!

    und franksta braucht nur seine eigenen erwartungen erfüllen, mehr is gar nich nötig um uns zu erreichen, denn er hat einfach lyrische klasse und die hauptsache ist, er verkauft sich nie ans musik biz..sony oder ähnliche teufel… ..die haben bisher geschafft aus jedem noch so guten rapper ne glamour-hure zu machen….

  3. Liebe Inflabluntahz, ich kenn euch irgendwie über Fresh Records. Habt ihr noch Beziehungen nach Wittenberg :D?

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