7inch: „Es gibt unglaublich viele junge Talente hier in Deutschland“ [Interview]

7inch_keyboard

Meine Kollegen der Blogs Playmuzikk und JD’s Rap Blog haben wieder ein sehr interessantes Interview mit dem Produzenten 7inch geführt. Gesprochen wird u.a. über die Akzeptanz von Produzenten, das Web 2.0 und die Relevanz eines Produzentenalbums.

Hallo 7inch, danke dass du dir Zeit für dieses Interview genommen hast.

Ich danke dir für deine Zeit.

Zunächst interessiert uns natürlich was sich momentan bei dir musikalisch abspielt. Mit welchen Rappern und an welchen kommenden Projekten bist du derzeit beteiligt?

Aktuell bin ich ja auf mehreren Alben zu hören: auf dem Prinz Pi, Snaga & Pillath, Colos und dem DVK2 Sampler. Auch auf dem neuen Tyga-Mixtape („Black Thoughts“) bin ich mit einem Song vertreten („Tyga“).
Im Moment arbeite ich verstärkt mit den Hammer & Zirkel Jungs an ihrem neuen Album, welches voraussichtlich im März 2010 in die Läden kommen wird.
Das neue Album von Franky Kubrick ist auch zu 90% im Kasten auf dem ich 12 Tracks produziert habe. Dann kommt noch das neue Casper Album und andere Produktionen, die zum jetzigen Zeitpunkt leider noch nicht spruchreif sind.

In der Schweiz bin ich auf den beiden nächsten Alben von Bandit und Gimma mit ein paar Beats vertreten und auch in Frankreich und Amerika liegen einige Songs „on hold“. Mehr darüber jedoch erst dann, wenn alles safe ist. Dazu kommt natürlich die Arbeit an meinem ersten Mixtape, die ich auch immer wieder zwischen den ganzen Fremdproduktionen aufgreife.


Vor einiger Zeit hat Monroe sein Produzentenalbum veröffentlicht, Producer-Kollege Rooq plant auch schon fleißig. Kommt für dich auch ein Produzentenalbum in Frage?

Ich persönlich finde das total geil, wenn sich Producer die Mühe machen und solch ein Mammutprojekt auf die Beine stellen. Solch ein Album erfordert einen enormen logistischen Aufwand und eine Menge Geduld. Bis man da für jeden Rapper den passenden Beat gefunden hat, vergehen ja erstmal Wochen. Dazu kommt, dass die meisten Rapper ja nicht die zuverlässigsten sind und auch gerne mal auf sich warten lassen. Dann darf so ein Album auch nicht eine Ansammlung von Songs werden, sondern jeder Track muss ein richtiger Hit sein, damit man das auch an den Mann bringen kann. Ich denke, dass Rooq genau das auch mit seinem Werk vorhat und in die Tat umsetzen wird. Ich würde jedoch solch ein Projekt, wenn überhaupt nur zum Free Download freigeben, um den Bekanntheitsgrad zu steigern, denn reich wird man durch solch ein Projekt eh nicht. Dazu kommt, dass man zur Zeit davon ausgehen kann, das sich die Kids solche Alben eh saugen werden. Producer haben leider Gottes in Deutschland noch keine richtige Fanbase so wie einige Rapper, siehe Casper oder Kaas. Die haben Fans, die für ihre Mukke zahlen. Das liegt natürlich daran, dass die meisten Producer sehr Medienscheu sind und das Rampenlicht meiden. Ich denke, dass sich das in den nächsten Jahren aber auch ändern wird.

Apropos Monroe: er hatte auf seinem neuen Produzentenalbum „Movement“ einen Song namens „Pianoman“, auf dem er zusammen mit Phrequincy, Shuko, Kingsize & Tai Jason rappt, Käme so ein Song auch für dich in Frage und würdest du dafür noch einmal in die Booth gehen und einen Part rappen?

Was ja die wenigsten wissen ist, das ich damals 98 mit dem Rappen angefangen habe. Das mit dem Produzieren kam dann erst im Jahre 2001 aus der Not heraus, da keiner in meinem unmittelbaren Umfeld die passenden Beatz bauen konnte, die ich für meine Texte brauchte. Mein vorerst letztes Lebenszeichen vor dem Mikrofon gab es dann 2007. Das Album hieß „The Lovemovement“ mit dem Titel: „Stadtgespräch“. Das Ding hab ich zu 90 % produziert und zusammen mit Macka Ena aus Köln berappt.
Ich finde die Idee eines Songs wie „Pianoman“ super und hab auch schon damals die Rapparts von Phrequincy auf seinem Album krass gefeiert. Ich hab auch schon oft darüber nachgedacht wieder mit dem Schreiben anzufangen, jedoch fehlt mir dafür die Zeit und die Ruhe, um das richtig anpacken zu können. Denn wenn ich jemals wieder an das Mikrofon steppen sollte, wird das der Untergang für viele Möchtegern-Rapper hier in Deutschland. haha

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Schon wären wir beim nächsten Thema und zwar die Produzenten in Deutschland. Wie siehst du die derzeitige Deutsche-Produzenten-Szene, wo liegt ihr Problem und hast du vielleicht sogar schon Verbesserungsvorschläge?

Es gibt unglaublich viele junge Talente hier in Deutschland, die sich grade hocharbeiten.
Das geile ist, dass die meisten Producer untereinander viel aufgeschlossener als einige Rapper untereinander sind. Klar könnte die mediale Aufmerksamkeit größer sein, jedoch ist da in den letzten Jahren doch so einiges passiert. Wichtig ist, dass uns klar werden muss, das wir durch mehr Pressearbeit auch unseren Marktwert steigern können. Das war mir vorher auch nicht so bewusst, aber seit einem halben Jahr arbeite ich mit Mareen Wordoff zusammen. Sie macht meine komplette Pressearbeit und ich bin mehr als zufrieden damit. Seitdem kann ich mich voll auf meine Musik konzentrieren, weil ich ihr vertraue und weiß, sie hat da mehr Ahnung als ich. Meine Talent ist die Musik, ihres ist die Pressearbeit. Das ist ein neues professionelles Level auf dem ich mich nun bewege. Es geht nicht mehr allein um den Produzenten 7inch, sondern auch um die Marke 7inch. Dazu kümmern sich die Jungs von „Change The Game Administration“ um mein Management und versuchen weitere Platzierungen für mich zu erzielen.

Vor allem im Rap-Bereich boomen die Blogs. Darüber hinaus spielt Twitter eine immer größere Rolle. Wie siehst du die derzeitige Situation im Bezug auf Rap und Internet? (Blogs, Twitter usw.)

Ich bin ein großer Freund von allem was mit Web 2.0 zu tun hat. Ich denke, dass es vieles erleichtert und dich als Produzent schneller voranbringt, wenn du medial vernetzt bist. Das hat mir auch meine Pressefrau beigebracht. Haha Das Witzige ist auch, dass man sich auf den verschiedenen Kanälen anders präsentieren kann. Auf meiner Website (http://www.seveninchbeats.com) gibt es Informationen über 7inch und meine Producer-Welt. Ab und zu auch mal ein Gewinnspiel. Bei Myspace können sich die Leute aktuelle Produktionen anhören und auch Kontakt zu mir aufnehmen. Bei Facebook bin ich mit meinen engsten Kollegen befreundet und bei Twitter schiebe ich so meinen Egofilm und gebe den Leuten Einblicke in mein tägliches Leben.

Viele ärgern sich darüber, dass man an allen Ecken mit neuen Freedownloadmixtapes zugeballert wird. Ich denke man sollte sich nicht drüber ärgern, sondern als Chance begreifen. Das Internet ist für viele Musiker ohne großen Werbeetat, die Möglichkeit sich zu präsentieren. Und wenn du wirklich gut bist, dann hört dir am Ende des Tages auch jemand zu. Qualität setzt sich eben durch. Für mich ist das kein Ärgernis. Und wo wäre ich heute, wenn es das Internet nicht gegeben hätte?

Bei Twitter hatte sich Rooq letztens auch sehr stark für ein Juice-Cover mit allen deutschen Top-Produzenten gemacht. Wie stehst du zu der Sache? Denkst du die Produzenten in Deutschland sollten in Medien wie Juice, Backspin, Mzee & Co viel mehr Aufmerksamkeit bekommen?

Ja, das was der gute Rooq da angezettelt hat, fand ich sehr geil. Ist eine super Idee so etwas auf dem Cover einer Juice oder Backspin zu machen.
So was gab es meiner Meinung nach auch noch nicht bei den deutschen Hip Hop Printmedien. In den Staaten wurden ja schon oft Leute wie Pharell oder die Jungs von der J.U.S.T.I.C.E. League auf dem Cover abgebildet. Jedoch sollte man die deutsche Szene nicht mit der Amerikanischen vergleichen, da wir eh immer um ein paar Jahre hinterher hinken hehe. Wie gesagt, wir sind auf dem besten Wege das zu verbessern.

Viele Rapper erzählen sie schreiben ihre Texte nachts, auf der Toilette oder haben einfach plötzliche kreative Phase. Wie arbeitet 7inch? Woher kommen deine Ideen oder produzierst du einfach drauf los?

Alle meine Beatz entstehen grundsätzlich auf dem Klo oder wärend ich schlafe… Natürlich nicht! Weißt du, es ist ganz unterschiedlich. Manchmal setze ich mich an mein Keyboard und suche einige Akkorde zusammen und baue darauf einen Beat auf. Andererseits kommt es auch vor, dass ich zuerst die Drums programmiere und dann ein Sample drüber flippe. Jedoch arbeite ich in der letzten Zeit weniger mit Samples und achte darauf, dass ich alles selber mit den VST-Syntis einspiele, um dem nervigen Sampleclearing aus dem Weg zu gehen. Oft kommt es auch vor das konkrete Anfragen anstehen. Dann setze ich mich mit dem Künstler in Verbindung und versuche, das umzusetzen wonach er sucht.
Ich sitze im Schnitt 3 bis 4 Stunden an einem Beat und vergesse währenddessen alles um mich herum. Ich schalte komplett ab und konzentriere mich nur noch auf den Song. Selbst Grundbedürfnisse wie Hunger oder Druck auf der Blase werden dann einfach nicht ans Großhirn weitergeleitet. haha

Ein kleines Brainstorming zum Abschluss:

Blogparty
-sozusagen die SuperHeros der Web2.0-eneration in Sachen Rapinformation – Geiler Scheiß!

Hustle Heart
-War eine schöne Zeit, aber ist Vergangenheit!

King of Rap
– für mich ist das ganz klar Casper. Auch wenn er das bestimmt nicht hören will. haha

Album des Jahres
-Jay-Z mit Blueprint 3

Juice Top 20
-Habe ich nur am Rande mitbekommen. Ist mir eigentlich ziemlich Hupe welcher Rapper da auf welchem Platz steht. Wo bleibt die Producer-Liste?

Ein weiteres Interview mit dem Produzenten Rooq findet ihr hier.

7inch bei MySpace: http://www.myspace.com/7inchbeatz
7inch bei Twitter: http://www.twitter.com/seveninch

Photos: via MySpace / Photograph: Mareen Wordoff

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